2006 passierte irgendwie alles auf einmal. Eigentlich war ich ja Journalistin. Klar, ich hatte eine Gitarre, aber die hatte mir mein Vater für höchstens 50 Euro gekauft.
Jetzt, zwei Jahre später, habe ich einen japanischen Plattenvertrag, einen englischen Manager und mehrere Plattenfirmen, die sich für mich interessieren.
Und das alles dank meines Debüt-Albums "Introducing: Hello Saferide".
Zugegeben: Hello Saferide ist ein blöder Name. Ich habe ihn irgendwann 2004 ausgewählt, als ich gerade einen Song von mir ins Internet gestellt habe und jetzt klebt er an mir wie ein Muttermal am Nacken.
Nach dem Erfolg von „Introducing: Hello Saferide“ wollten im Frühjahr 2006 plötzlich alle ganz dringend neue Songs von mir. Und zwar möglichst flott, am besten schon vor fünf Minuten.
Wir tourten durch Asien, Brasilien und Europa. Und redeten darüber, wie groß das alles geworden ist. Ich war irgendwie total verängstigt von der ganzen Aufmerksamkeit. Also habe ich erst mal eine Auszeit genommen und eine kleine, merkwürdige Platte auf Schwedisch gemacht: "Säkert!". Die verkaufte Gold und ich bekam zwei schwedische Grammys dafür. Trotzdem wusste ich, dass ich ein weiteres englischspachiges Album aufnehmen wollte.
Seit meiner ersten Platte hat sich auch noch einmal mein Musikgeschmack verändert. Aus meiner Liebe zu putzig-niedlichem Indie Pop wurde eine Liebe zu ... naja, immer noch Indie Pop, schätze ich, aber etwas kantiger. Irgendwie habe ich akzeptiert, dass elektrische Gitarren besser klingen als akustische.
Es war ein bisschen schwierig, den Produzenten für das nächste Hello Saferide-Album zu finden. Ich habe einfach jeden, den ich getroffen habe, gefragt, mit wem ich arbeiten soll. Mir wurden alle möglichen hippen Producer auf der ganzen Welt vorgeschlagen, aber es gab niemanden, mit dem es sich besser anfühlte als mit Andreas Mattson.
Er ist nicht nur das Genie hinter der besten schwedischen Neunziger-Band Popsicle, er spielt auch noch schöner Gitarre als jeder andere, den ich bisher getroffen habe und er ist ein wirklich netter Typ. Andreas hat den richtigen Sound für mich gefunden und er hat immer, wenn ich viel zu viel Text hatte, die richtigen Instrumental Parts dazu gefunden.
Grundsätzlich hat sich aber nichts geändert: Ich habe mir auch für die neue Platte „More Modern Short Stories From Hello Saferide“ Geschichten ausgedacht und die dann zu ganz einfachen Akkorden gesungen.
Dieses Mal geht es in den Songs unter anderem um den Verlust der Jungfräulichkeit („X telling me about the loss of a dear friend, at age 16“), um Eltern, die sich darüber streiten, wer schuld ist, dass ihr Sohn zum Nazi wurde („Overall“) und es geht darum, dass Menschen wie bestimmte Songs sind und man am besten bei denen bleibt, die wie "God Only Knows" sind.
(Und wo wir schon bei "God Only Knows" sind: Meine Liebe zu den Beach Boys kam natürlich auch durch, als ich "I Was Definitely Made For These Times!" schrieb. Der Song ist nicht auf dem Album, aber ihr habt ihn vielleicht in der Volvo-Reklame zu ihren neuen umweltfreundlichen Autos gehört…)
Die erste Single von "More Modern Short Stories From Hello Saferide" heißt "Anna" und handelt von einer zukünftigen Tochter, die leider nicht zustande kommt, weil der Typ, der der Vater sein sollte, mich verlassen hat.
"Auf den ersten Blick hat eine schwedische Singer/Songwriterin vielleicht nicht viel mit Taylor Swift, Toby Keith oder gar George Jones oder Patsy Cline gemeinsam, aber die Stockholmerin Annika Norlin teilt mit ihnen die Gabe, sich auf gute Storys, starke Melodien und klare, unprätentiöse Arrangements zu konzentrieren.", das schrieb die US-Website "Pitchfork" über den Song "Anna". Und ich finde, irgendwie ist die Erklärung gar nicht so schlecht.
Als wir an dem Album gearbeitet haben, hörten wir Platten von: Randy Newman, Carole King, Heavenly, Wilco, Jonathan Richman, Kirsty Maccoll, Lyle Lovett, The Siddeleys, The National. Vielleicht hört ihr davon Spuren in den Songs, vielleicht aber auch nicht.
Neben Andreas (Gitarre, Piano, Gesang, u.v.m.) und mir (Gesang, Gitarre) sind auf diesem Album auch noch zu hören: Jens Lagergren (Thunder Express, I Are Droid), Fredrik Hultgren (Dreamboy), Maia Hirasawa, Andrea Kellerman (Firefox AK), Tomas Hallonsten (Tape), Ceciilia Linné und ein Streicher-Arrangement von Johan Berthlin (The Tiny). Das Album wurde von Pelle Gunnerfeldt abgemischt, der auch schon mit The Hives, Moneybrother und Peter, Björn & John gearbeitet hat.
Annika Norlin im September 2008, Stockholm, Schweden